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Business Excellence Daily

Artikel-Schlagworte: „Print“

+++ Der Verkauf in der Druckbranche leidet – trotz des weitläufigen Endes der Finanz- und Wirtschaftskrise – nach wie vor unter den Fakten der unmittelbaren Vergleichbarkeit der Druckereien, ihrer identischen Maschinen und Produkte sowie der permanenten Innovationslosigkeit am Printprodukt als auch an der Dienstleistung insgesamt.

Den Kunden die Kauflust statt Frust zu vermitteln, darin besteht eine reale Chance für jeden der es versteht, dem Kunden einen spürbaren Mehrwert zu bieten und ihn in seiner Entscheidung glücklich zu machen, seiner Druckerei den Auftrag zu erteilen. Der Tenor der Stichprobenanalyse macht aber deutlich, dass der „Koch“ nur das kocht, wozu er in Stande ist, aber nicht, was der Gast gerne speisen möchte. +++

Wie die Akzidenzdruckerei in ihrem Web-Auftritt auf die immer deutlicheren emotionalen Veränderungen der Käufer reagiert, wollten wir wissen. In der emotionalisierten Wirtschaftswelt muss die Schlacht um das Herz der Kunden erfolgreich geführt werden, die sich im Begriff Marketing subsumiert.

Kundenpflege und Neuakquise setzen die Verankerung des Unternehmens im Kopf der Kunden voraus, das „First-To-Mind“, damit als Feedback Kundeloyalität entstehen kann, die den Geldfluss langfristig sichern soll. Wir haben in einer Stichprobenanalyse den Web-Auftritt zahlreicher Druckereien in Deutschland und Österreich (50/50) analysiert.

Unsere Kernfrage war: welchen Kundennutzen und welchen Mehrwert offeriert die Druckerei ihren Kunden, damit sie eine Geschäftsbeziehung mit ihnen eingehen?

13 Indikatoren haben wir analysiert. Von der Menüstruktur hängt der schnelle Zugriff auf die herausragende Botschaft für den Kunden ab, wenn sie denn überhaupt formuliert wurde. Eine Homepage wird mit durchschnittlich 7 Links bedient, Untermenüs der 1. Ordnung mit 24, die der 2. Ordnung mit 32 Links. Der Kunde sieht sich schließlich mit durchschnittlich 70 Links konfrontiert. Die min./max.-Streuung lag bei 5 bzw. 318 Links. Frage: wer soll diese Fülle, wer will sie überhaupt konsumieren? Antwort: kaum jemand, der zum ersten Mal dort landet!

Druckereien reagieren nur marginal auf grundlegende Marktveränderungen

Bei der Analyse der WebSite wird deutlich, dass Druckereien die grundlegenden Marktveränderungen in der Tat nur marginal wahrnehmen und infolge dessen darauf nicht angemessen reagieren. Keines der analysierten Unternehmen war in der Lage, in seiner Außenwirkung dem neuen Kunden ein WOW-Erlebnis zu präsentieren.

Keine ganzheitliche Projektlösungs-Kompetenz

Industrieunternehmen haben sehr vielschichtige Anforderungen für Wirtschaftlichkeit, gerade für deren Marketing. Es gibt unzählige Möglichkeiten für Druckereien, den Unternehmen unter die Arme zu greifen, sie in ihrem eigenen Erfolgsstreben zu unterstützen. Durch diese Brille aber wird nicht geschaut. Die analysierten Druckereien zeigten keinerlei Ansätze für eine Lösungskompetenz zu ganzheitlichen Dienstleistungen. Insofern reagieren die Druckereien nicht auf Kundenwünsche in Form von Komplettlösungen und – sehr wichtig – auf gute Gefühle beim Kunden. Hier wird nur gekocht, was der Koch kann, aber nicht, was der Gast wünscht.

Druckereien vermitteln ein Kür-Programm

Druckereien vermitteln auf ihrer WebSite ein facettenreich Drucken und Veredelung. Leistungen, die ohnehin der Kür entsprechen. Und dieser Minimalforderung wird mit Begriffen der Superlative wie „beste Qualität, absolute Termintreue, beste Beratung, schnellste Lieferung, grünes Drucken, Offset-Standard-Zertifizierung“ etc. verswucht, auch noch Nachdruck zu verleihen. Abgesehen von der Gefahr einer konterkarierten Wirkung solcher Superattribute kann der Neukunde sie nicht überprüfen. Warum also sollte er gerade dort kaufen, wo die Werbetrommel so unpersönlich und nur selbstzentriert klingt?

Über den emotionalisierenden „Spirit“ des Unternehmens ist so gut wie nichts zu erfahren.

Um die Wirkung solcher Botschaften zu verdeutlichen, hier eine kurze Metapher mit der einem Maßschneider:

Sie möchten sich einen modischen Maßanzug gönnen und freuen sich sehr auf die Stoffauswahl beim Schneider. Der aber präsentiert ihnen zuerst seine herausragende Nähmaschine, so als ob sie selbst nähen sollten. Sie sind enttäuscht. Ihr Bedürfnis nach exklusiven Soffen wird ignoriert! Ich kenne zwar keinen Schneider, der Kunden so behandeln würde.

Verblüffend ähnlich aber geht die Druckerei mit ihren Kunden um. Als erstes steht die Maschine im Fokus, um zu zeigen, was man hat. Dieses Prestigedenken wird bei Kunden kaum auf Gegenliebe stoßen, weil das Maschinenargument in der Zwischenzeit marginal geworden ist. Offenkundig wird das besonders bei Online-Druckereien.

Fehlende Lösungskompetenz endet in der bekannten Preisschlacht

Die Majorität der analysierten Druckereien lässt, aufgrund ihrer mangelnden Lösungskompetenz, die maßgeblichen Attribute vermissen, ein außergewöhnlich kundennahes Unternehmen zu sein.
Der Großteil der Druckereien bekundet seine überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit ausschließlich mit seiner technischen Ausrüstung. Diese selbstzentrierte Sicht vermittelt den Kunden keinerlei Mehrwert. Konsequenter Weise verfahren sie wie beim Kauf  im Supermarkt.  Das kaufentscheidende Kriterium ist dann nur mehr der Preis, weil die für sie wichtige Differenzierung als Unterscheidungsmerkmal gut/schlecht nicht erlebt werden kann.

Die bei einigen WebSites durchaus  herausragende optische Gestaltung wird in bedauerlicher Weise zu oft durch die permanente Überfrachtung bei den Inhalten völlig neutralisiert.

Der User verliert aus Zeitmangel die Lust weiter zu klicken, weil er emotional nicht abgeholt wird. Viel zu viel technisches Klimbim strömt auf potenzielle Kunden ein. Und angesichts der geradezu zwanghaft anmutenden Vermittlung der “superlativen” Botschaft seitens der Druckerei wird der Kunde in dem dargebotenen Dschungel von bis zu 300 Links kaum Lust verspüren, das Unternehmen näher kennenlernen zu wollen.

Es fehlt die Kernbotschaft zum Mehrwert

Es ist ein ähnlicher Brei, wie bei allen anderen Druckereien auch, die der Kunde schon kennt. Gequälte Versuche einer Differenzierung finden – wenn überhaupt – nur auf der technischen Ebene statt, welche die Kunden heute kaum mehr als relevant einstufen. Für sie ist von Bedeutung, dass gute Gefühle spürbar sind und dass der reibungslose Ablauf der Dienstleistung gewährleistet ist, soz. der primäre Kaufanreiz.

Es hat uns nicht sonderlich überrascht, dass bei 30% der Druckereien eine Maschine, ein Gebäude auf der Eingangs-Seite, der Homepage,  steht. Sie demonstrieren in einer ernüchternden Deutlichkeit, worauf sie in der Öffentlickeitswirkung Wert legen und ignorieren damit, was für Kunden kaufentscheidend ist.

Mit der Glorifizierung des Maschinenparks bleibt die Empathie für die Kunden auf der Strecke

Bei 80% der Druckereien steht Maschinenpark und Produkte im Mittelpunkt ihrer Geschäftstätigkeit. Lediglich 20% der Unternehmen bewegen potenzielle Kunden mit einem Hauch von emotionalen Einstieg zum Klick auf die Folgeseiten.

Auf ihre selbstzentrierte Technikkompetenz legen 60%, auf die Vielzahl ihrer Produkte 57% der Druckereien wert. In 44% ist die Zertifizierung und klimaneutrales Drucken ein wichtiges Argument. In 70% der Fälle überfordert die Druckerei den potenziellen Kunden mit einer ausufernden Beschreibung von Serviceleistungen, die eigentlich eine Selbstverständlichkeit sind, gefolgt von Produktpräsentationen, die nichts Neues offerieren. Das erscheint insofern anachronistisch, wenn man auf so etablierte Online-Druckereien, wie z.B. flyeralarm.com oder diedruckerei.de u.v.m. blickt, die ein schier unlimitiertes Produktportfolio anbieten, und das alles ohne Glorifizierung des Maschinenparks.

In 27% liefert die WebSite technische Abläufe, die Kunden überfordern. Leider vermittelt eine Vielzahl der Druckereien den Eindruck mangelnder Empathie, die sich im dargebotenen Fachchinesisch erschöpft. Leider sind fragwürdige Werbeattribute und unprofessionelle Texte sehr häufig anzutreffen. Mit Slogans wie „..wer auffallen will, muss…“ rammt die Druckerei dem Kunden ihre pure Absicht in den Kopf. Super-Attribute wie „beste Qualität, schnellste Lieferung, fachkompetente Beratung etc.“ dokumentieren eher den Verlust an Zeitgeist und neuen Ideen. Beeindruckend ist diese Vorgehensweise allemal, weil die Verschwendung der Ressourcen Zeit und finanzieller Einsatz kaum die sehnlichst erwünschte Verbesserung näher rücken lassen. Ist damit eine Imageverbesserung beabsichtigt, wird sie so jedenfalls kaum zu erreichen sein.

Im Menü „Über uns“, zeigen 27% der Druckereien ihren Bauchladen in ausgiebiger Selbstzentrierung, die für den Kunden wertlos ist. Es kostet ihn nur wertvolle Zeit in deren Folge Ablehnung entsteht, weil er keine Ansprache erfährt. Seine Bedürfnisse werden nicht wahrgenommen.

Emotionaler Zugang

Lediglich einem österreichischen Unternehmen ist die nachhaltige Abkoppelung vom ausschließlich technischen Fokus und die deutliche Hinwendung zu einer emotionsbasierten Botschaft ernsthaft gelungen. In diesem Druckunternehmen wird der Kunde als empathischer Mittelpunkt wahrgenommen und der technische Maschinenpark oder die Produkte treten in den Hintergrund.

Die Botschaft zwischen Texten und Bildern haben wir so interpretiert: „Dass wir auf hohem Qualitätsniveau drucken können, darüber müssen wir nicht mehr sprechen. Viel wichtiger ist uns die Partnerschaft mit dem loyalen Kunden, dessen verändertes Kaufverhalten wir kennen und somit seine Nutzenerwartung präzise treffen können.“

Zusammenfassung

Zusammengefasst zeigt unsere Stichproben-Analyse

  1. Ein “Zu wenig” an Strategiestärken in den Akzidenzdruckereien
  2. Der Profilierungsversuch erfolgt primär über das Prestigedenken im Maschinenpark mit ausgeprägter Darstellung der technischen Leistungsfähigkeit
  3. Es besteht ein signifikanter Mangel an kundenfokussiertem Erfolgsdenken,
  4. gleichbedeutend sind die Erkenntnisse über eine Vielzahl an ausgeprägten strategischen Schwächen der Printunternehmen
  5. Keine der analysierten Druckereien formuliert in ihrem Internet-Auftritt einen definierten Kundennutzen, also den für den Kunden wahrnehmbaren Nutzen seiner Kaufentscheidung
  6. Die dargebotene Druckkompetenz ist ein branchenübliches Kür-Programm, das ohnehin erwartet wird
  7. Lösungskompetenz für ganzheitliche Projekte mit nachweisbarem Kundennutzen ist nicht erkennbar
  8. Zwei Prozent der Unternehmen haben Links zu SocialMedia Plattformen auf ihrer WebSite eingerichtet

Wenn Wachstum im Printgeschäft aber in der dargebotenen Form nicht mehr erreichbar ist, muss die Frage gestellt werden, wo denn die notwendige Innovation stattfindet? Im Produkt und/oder in der Dienstleistung?

Denn gerade in einer Zeit, in der die Heavy-metal-Maschinenparks von Druckereien in der Öffentlichkeitswirkung immer mehr an Bedeutung verlieren, muss die Botschaft zur Innovation von den Druckereien ausgehen und keinesfalls von den Maschinenbauern.

Dieser kapitale Denkfehler, dass Innovation immer von den Maschinenbauern auszugehen hat, brachte die Druckindustrie in diejenige Marktposition, in der sie sich heute befindet.
Ihre Wettbewerber sammeln sich vermehrt auf der elektronischen Seite, weil Print in sich erstarrt.
Druckereien kommen nur dann aus ihrer Problemzone heraus, wenn sie ihren Kunden nachweisbar vermitteln können, einen Mehrwert zu erzeugen und so viel mehr für sie zu bewegen, als nur zu drucken.

Jedes Unternehmen sollte sich – alleine aus Selbstverantwortung – die Existenzfrage stellen, ob seine praktizierten Geschäftsmodelle und damit auch die Prozesse überhaupt noch in diese erwartungsvolle Zeit passen und wie lange?

Bildquellen: Nicole Effinger, Kenneth Sponsler, Zeinhofer Pullach

+++ Was Print kann und wie Print wirkt, müssen die Drucker ihren Kunden schon selbst erklären. Aber nur wenige investieren Zeit und Mühe in eine eigentlich dringend notwendige Imagepolitur des Gedruckten. Was bleibt, ist die Gewissheit, sich in einem blutigen Preiskampf vor allem finanziell zu verzetteln und den Markt aus den Augen zu verlieren +++

Siegerpodest

Ein Sieg, der keiner ist: Solange Druckereien sich bloß als Auftragsdeponie begreifen, wird Print seinen Stellenwert im Kommunikationsmix nicht heben können

Der deutsche Bundesverband Druck und Medien BVDM hat das Dahinscheiden seiner Klientel akkurat in Zahlen gegossen: Rund 60.000 Beschäftigte sowie ein Drittel ihrer Betriebe hat die Branche in den letzten Jahren verloren. In Österreich ist die Situation nicht wesentlich anders. Die wackeren Verbliebenen wiederum sehen sich einem mörderischen inneren wie auch äußeren Wettbewerb gegenüber: Sie drücken sich gegenseitig die Preise bis zur Schwelle der betriebswirtschaftlichen Unsinnigkeit und müssen gleichsam zur Kenntnis nehmen, dass elektronische Medien ihrem Geschäft enorm zusetzen. Und dagegen nützt auch der blutigste Preiskampf nichts.

Amour fou

Der Konkurrenz durch die Neuen Medien hat die Branche indes wenig entgegenzusetzen. Die Liaison zwischen Offsetherstellern und Digitaldruckern, die nun eines der großen Themen der Branche zu sein scheint, könnte die falsche Indikation sein. Denn wenn Digitaldruck mehr und mehr als Substitut für Offsetdruck gehandelt wird, so ist dies wohl auch ein Katalysator für jenes Stückpreisdenken, das schon dem Offsetdruck alleine nicht unbedingt zu einer glänzenden wirtschaftlichen Performance verholfen hat.

Vordergründig gibt es für Offsethersteller wie auch Digitaldruckanbieter natürlich gute Gründe für das Anbandeln. Aber der große Wurf für eine fundamentale Änderung der Spielregeln in der Branche ist es nicht. Die starre Produktsicht mit ihrer Monostruktur muss einfach im Preisverfall enden in jener Situation, in der Überkapazitäten und Preiskannibalismus die treuen Begleiter im unternehmerischen Lebenszyklus fast jeder Druckerei sind.

Der Reichtum des Gedruckten

Die Kerntugend von Print ist einfach nicht das Produkt alleine. Es ist die klar positionierte primäre Dienstleistung, deren Träger ein gedrucktes Produkt sein wird.

Worum es geht, ist also, für den Kunden eine Projektlösung zu ersinnen, die ihm einen hohen Wirkungsgrad seiner Kommunikation gewährleistet.

Um diesen Wechsel in der Positionierung erfolgreich bewältigen zu können, sich beratend mit dem Kunden auseinanderzusetzen, reicht es aber nicht, bloß Printaufträge abzuschöpfen. Das wird dem Kunden nicht das Gefühl vermitteln, einen Lösungspartner gefunden zu haben, sondern eben höchstens den billigsten Drucker, der morgen schon durch einen anderen abgelöst werden kann.
Schon zielführender kann es da sein, beim Kunden früh die Erkenntnis reifen zu lassen, wie einzigartig, wie variantenreich Print sein kann. In Haptik, in Druckqualität, in buchbinderischer Ausstattung. Nur wenn Drucker sich gezielt um Kundennutzen und damit zwangsläufig auch um die hohe Wertigkeit des Gedruckten kümmern, können auch die ganz offensichtlichen Mängel bei der Vermarktung ihrer Dienstleistung behoben werden.

Die Sensibilisierung für die Stärken des Gedruckten, für seinen ganz besonderen Charakter, kann nur gelingen, wenn der Kunde sich in seiner Druckerei mit praktizierter Lösungskompetenz konfrontiert sieht. Sonst nämlich geht er irgendwann nicht einmal mehr zur billigsten Druckerei. Printkultur ist spätestens dann Vergangenheit.

+++ Printmanager sind aus einem Material geschaffen, das es heute nicht mehr gibt. So hat diese “Rest-Ressource” in jedem Fall eine zweischneidige Wirkung auf das Unternehmen. Denn je nach intellektueller Ausstattung der Führungspersönlichkeit wirkt sie sich für die einen positiv aus, für die anderen hört der negative Kreislauf nie mehr auf +++

Print ist mit seinem Image ganz unten – leider, aber nicht überraschend. Allerdings wird es dominiert von der Erkenntnis, dass kaum ein Verantwortlicher die Erosion des Marktes hinterfragt. Aber die angestimmten Klagelieder sind selten so harmonisch wenn es darum geht, die verheerenden wirtschaftlichen Auswirkungen mit rhetorischem Zunder zu untermalen, was völlig wirkungslos bleibt. Schlimmer noch – es bleiben wichtige Erkenntnisse über Markt, Kunden und IT aus, was zur Folge hat, dass erneut fatale Fehlentscheidungen getroffen werden und die Zukunft in weite Ferne gerät. Die Branche hat sich einer in der Wirtschaft unvergleichlichen Zerfleischung ausgesetzt, die im täglichen Preisgemetzel ihre Erfüllung findet. Das ist praktizierter Wirtschaftsmasochismus.

Für die Zukunft von Print scheidet das stupide Drucken als primärer Umsatzträger immer öfter aus – zumindest im Akzidenzbereich. Und die PR-Arbeiter der Maschinenbauer machen deutlich, dass die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) die Orte ihres künftigen Wirkens sein werden, nachdem sie im europäische Markt schmerzlich die Grenzen aufgezeigt bekamen. Dass sie dieses Dilemma primär selbst verschuldet haben, sagen sie nicht. Denn was immer noch von den Printmanagern eingefordert werden muss, sind innovative Produkte und Dienstleistungen.

Neues Marktfeld der Maschinenbauer – die BRIC-Staaten

Das einstmals hier beheimatete technische Know-how wandert in Länder der Dritten Welt oder in die prosperierenden BRIC-Staaten ab. Der hohe technische Maschinen-Standard garantiert dort selbst schlechter Qualifizierten eine beachtliche Produktqualität. Dem Maschinenverkauf in diesen Ländern fällt hierzulande auch das handwerkliche Know-how zum Opfer – es ist preisseitig nahezu wertlos geworden. Der Blick in das Auftragsergebnis lässt Printunternehmer daran nicht mehr zweifeln dafür aber zusehends verzweifeln. Man kann nur mit großer Bestürzung feststellen, dass der eingeforderte Lernprozess bei den Maschinenbauern in keiner vertretbaren Form stattgefunden hat. Der dringend notwendige innovative Schub – gerade bei Druckprodukten – findet nicht statt! Und dadurch heraufbschworenes “business as usual” beschädigt jetzt die Branche in seinen Grundfesten, weil Innovation sowohl im Produkt, in den Geschäftsmodellen- und Prozessen ausbleiben. Kunden wenden sich ab, wenn Print mehr und mehr an Attraktivität, gemessen an den Kundenerwartungen, einbüßt.

Hausaufgaben vernachlässigt

Also werden die Maschinenbauer als Teil ihrer Überlebensstrategie gerade deshalb künftig unentfaltete Märkte bedienen, die infrastrukturell und mental noch bei weitem nicht an die Verhältnisse westlicher Industriestaaten heranreichen. Sie werden so lange ihre veralteten Denkweisen in die Märkte penetrieren, bis der Branche der völlige Kollaps bevorsteht. Denn zweifellos wird die digitale Evolution vor den BRIC-Staaten nicht Halt machen. Was geschieht dann? Wovon soll der europäische Drucker jetzt profitieren, dem es an Produktinnovation fehlt und der hier gegen den Verlust seiner Märkte ankämpft? Entweder verstehen Maschinenbauer die hiesigen Märkte nicht mehr, oder sie stehen der Entwicklung ihrer langjährigen Klientel völlig gleichgültig gegenüber, was dem Synonym für Ideenlosigkeit gleichkäme. Ihre vermeintlichen Innovationen stecken sie hingegen nach wie vor dorthin, wo sie marktseitig ziemlich unwichtig für den Anwender geworden sind: in ihre Maschinen. Von der Erfüllung oder Annäherung an die Kundenbedürfnisse ist nichts zu spüren und zum Leidwesen der Drucker ergibt sich daraus eine eher gefährliche Abhängigkeit: mitgefangen, mitgehangen.

Ein Dogma verhindert nachhaltig das Überleben der Branche

Während die BRIC-Staaten die „neuen Märkte“ der Maschinenbauer werden, verwaisen Drucker hierzulande mit ihren Forderungen nach wirtschaftlich sinnvollen Investitionen. Mit der Innovationen am Printprodukt im Stich gelassen, trägt ein solches Marktverhalten die Züge einer gescheiterten Ehe und wer jetzt immer noch an den Lippen der Maschinenbauer hängt, tut besser daran, seinen wirtschaftlich begründeten Ausstieg zu organisieren, um wenigstens die Finanzbasis des Unternehmens zu schonen. Überlebenschancen bestehen dennoch am besten dann, sofern eigene Konzepte für die neue Zukunft des Unternehmens  entwickelt werden, die primär den Charakter der kundengerechten Dienstleistung tragen, also Kundenmehrwert schaffen. Genau das tut Print eben nicht. Print schafft keinen Mehrwert für Kunden. Print ist jederzeit austauschbar. Print hat eine desolate Preisfront. Ein diesbezüglich radikales Umdenken in Print-Unternehmen bietet eine realisitische Chance, wieder auf den Wachstumspfad zu gelangen. Bleibt die Druckindustrie weiter am Dogma des 1000er-Preises hängen, verhindert sie nachhaltig ihr Überleben in den europäischen Märkten.

Wenn Umsatzerlöse keine Gewinne mehr zulassen, muss das Geschäftsmodell schnellstmöglich geändert werden

Die Zukunft hat die Drucker längst überholt, sie brauchen eine neue. Die US-amerikanische Trendforscherin Faith Popcorn unterstreicht den Sachverhalt dazu bildhaft. Sie sagt: “Die Zukunft ist ein ernstes Geschäft. Wenn die Kunden die Zukunft vor Ihnen erreichen, sitzen Sie in der allerhintersten Reihe”. Exakt diesen Sachverhalt kann sich die Druckindustrie selbst attestieren. Sie hat es nicht geschafft, die Zukunft vor ihren Kunden zu erreichen.

Was soll der Drucker verkaufen, wenn Print (Akzidenz)  zum Ladenhüter mit inflationären Preisen verkommt und das Unternehmen der Insolvenz näher ist als einem wachstumsstarken Geschäftsmodell. Die mentale Abkoppelung vom ausschließlichen Drucken ist das Gebot der Stunde, um neue Ideen zum Leben zu erwecken. Bemühungen zu Differenzierung, dem Aufbau neuer Strategien mit Produktivitätsverbesserungen werden wirkungslos verpuffen, so lange den Verantwortlichen nicht klar geworden ist, dass sie sich in ihrem historisch geprägten Umfeld einzementiert haben und mit der anhaftenden Unternehmensstruktur kaum mehr Handlungsfreiraum haben. Die Schicksalsgemeinschaft der Konkurrenten tritt sich täglich auf den Zehen herum und Printbuyer finden jeden Tag neue Opfer, die preisseitig skelettiert werden – Zustände wie in einem Schlachthof.

Erst ein neues Geschäftsmodell wird die eben genannten Attribute – der Logik folgend – in vernetzten Prozessen einbinden können und die erwartete Erfolgs-Wirkung zeigen. Darin steckt überlebensfähiges Investitionspotenzial aber keinesfalls in Standard-Maschinen.
Da vielerorts die Umsatzerlöse zur Gewinnerwirtschaftung nicht mehr ausreichen, ist es allerhöchste Zeit, den Markt mit neuen Geschäftsmodellen zu überraschen, neue Akzente zu setzen, die Kunden neugierig zu machen und sie zum Kauf anregen. Hierbei hat sich ein zentrales Credo herausgebildet: Dienstleistung ist der Carrier, das Printprodukt ist notwendiges Beiwerk. Mit neuen Geschäftsmodellen zeigen die Unternehmen Kompetenz und kundenorientiertes Handeln. Im anderen Fall haftet der Makel an ihnen, die Markt-Evolution gänzlich verschlafen zu haben. Den letzen Rest erledigt die Marktdynamik.

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