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Artikel-Schlagworte: „Geschäftsmodelle“

+++ Wie geht es weiter mit Print? Welche Rolle spielen die  Druckmaschinenbauer, die sich ihre neuen Märkte in prosperierenden Schwellenländern erschließen. Die Deutlichkeit, mit der das geschieht, vermittelt einem das Gefühl ihres Abdankens in einem Markt, der sie groß gemacht hat. Denn europäische Drucker können nun noch weniger mit rein technologischen Argumenten ihre Kunden halten +++

Wie geht es weiter mit Print?

Wie geht es weiter mit Print?

In den so genannten BRIC-Staaten, also Brasilien, Russland, Indien und China, sehen auch europäische Maschinenbauer ihre künftig größten Absatzmärkte. Ihre PR-Abteilungen berichten freudig von immer mehr Verkaufserfolgen in diesen Weltgegenden. Einige produzieren dort schon, andere exportieren nur. Der europäische Markt hat eben diese Maschinenbauer in den letzten Jahren an schmerzliche Grenzen geführt. Ihre Chancen auf schnelle Erfolge sind gleich Null, was die Geldgeber eben auch nicht ruhig schlafen lässt. Wenn die Heavy-metal-Anachronisten erst jetzt sich aufmachen, um Digitaldruck-”Partner” wie Océ oder Konica Minolta zu suchen, ist es eigentlich für ihren strategischen Turnaround schon zu spät. Viel mehr sieht es danach aus, als würden sich die Großen der Digitaldruckbranche wie HP, Xerox oder Canon über eine sich möglicherweise anbahnende Crash-Strategie eher Gedanken machen, wie eine Übernahme der Heavy metal Moloche über die Bühne gehen könnte. Ein radikales Ausschlachten und die Filetierung der besten Stücke wäre wohl die Folge mit einem revolutionären Umbruch in der Branche.

Das einstmals hier in Europa beheimatete technologische Know-how wandert schon seit geraumer Zeit in die prosperierenden BRIC-Staaten ab. Dort garantiert der hohe technologische Standard der Maschinen selbst schlechter qualifizierten Arbeitskräften, eine beachtliche Produktqualität realisieren zu können. Damit wird das handwerkliche Know-how, das sich europäische Drucker in den letzten Jahrzehnten mühsam erarbeitet haben, wenn schon nicht ganz wertlos, so zumindest wettbewerbsunwirksam. Das ist das eigentliche Drama des Technologietransfers in die florierenden BRIC-Staaten. Um Missverständnissen vorzubeugen sollte klar sein, dass es aus der Perspektive der Maschinenbauer legitim ist, sich in den BRIC-Ländern neue Märkte aufzubauen. Zurück bleiben allerdings europäische Drucker, wohl ausgerüstet mit moderner Technologie, denen es immer schwerer fällt, Argumente für ihre Kunden zu finden, Argumente jenseits des Preises, den die Kunden ohnehin diktieren.
Ohne neue Geschäftsmodelle wird es auch in der Zukunft nicht mehr möglich sein, Printprodukte ertragsstark zu vermarkten. So hat z.B. Web to Print die Preisspirale nach unten noch einmal kräftig angeheizt, weil es auf der völlig veralteten Verkaufsphilosophie aufgebaut hat: dem Stück- bzw. dem 1000er-Preis, dessen Spirale sich täglich weiter nach unten dreht.

Rückt der Printmarkt in weite Ferne?

Rückt der Printmarkt in weite Ferne?

Wenn die Allianz zwischen Maschinenbauern und europäischen Druckern nun brüchig geworden ist und die Kunden in den noch nicht gesättigten Märkten die Technologien aus Europa freudig erwarten, so ändert das auch für europäische Drucker einiges – vor allem einmal die Konkurrenzsituation: dringend steht ein Relaunch des eigenen Standings am Markt, der Schaffung von Kundenmehrwert, ein genaueres Ausloten technologie-getriebener Marktchancen und in einem letzten Schritt auch eine Neuabwägung des Stellenwerts des eigenen Maschinenparks für den langfristigen unternehmerischen Erfolg an.
Es ist ein Anachronismus, dass wir seit Jahrzehnten zum Mond fliegen, aber beim Zeitunglesen immer noch schwarze Finger bekommen. Die Maschinenbauindustrie hat ihre Innovationen unter einem untauglichen Fokus entwickelt und Drucker haben sie gekauft. Maschinen waren ihnen zu wichtig, Kundenmehrwert zu schaffen hingegen völlig fremd. Dort, wo der Kunde Innovation erwartet hatte, nämlich im Printprodukt, hatte er sie niemals gefunden. Die kontinuierliche gestiegene Unattraktivität von Print hat die Kunden zum Sprung in die digitale Welt geradezu herausgefordert. Damit haben sich die Heavy-metal-Druckmaschinenbauer in die Frage ihrer eigenen Existenzberechtigung hinein manövriert. Glaubwürdige Antworten dazu finden sie keine mehr.

Print braucht eine neu Zukunft

Print braucht eine neue Zukunft

Muss Innovation wirklich vom Herstellungsdatum der eigenen Maschinen abhängig gemacht werden? Verstellt eben die Konzentration auf die Maschine die Sicht auf die wirklich konturierenden Faktoren für den geschäftlichen Erfolg, auf die Kunden, den Markt, nämlich? Die Zukunft der Druckereien in Europa ist geprägt vom ausschließlichen Blick nach innen, der auf Maschinen, den Prozess oder die pure Kapazität gerichtet ist. Innovationen? Keine. Diese Zukunft ist verbraucht, wir brauchen eine neue.

Da vielerorts die Umsatzerlöse zur Gewinnerwirtschaftung nicht mehr ausreihen, ist es allerhöchste Zeit, die Kundschaft, den Markt mit neuen Geschäftsmodellen zu überraschen, neue Akzente zu setzen, die Wachstum auszulösen imstande sind. Dienstleistung ist der Carrier solchen Wachstums, das Printprodukt selbst wird zunehmend zum event-getriebenen Beiwerk.
Die Branche kann auch weiterhin pausenlose Loblieder auf Print singen. Davon wird sich die Situation nicht ändern. Die Sänger sollten sich eher bewußt darüber werden, dass sie eine Gratwanderung zwischen Mutmachen und Abgesang beschreiten. Wenn sich die technische Machbarkeit von Printprodukten so radikal ändert, ist der Zusammenbruch der alten Strukturen unumkehrbar.

Quellenangabe Bilder:
red2000
Surrender
iQoncept

+++ Printmanager sind aus einem Material geschaffen, das es heute nicht mehr gibt. So hat diese “Rest-Ressource” in jedem Fall eine zweischneidige Wirkung auf das Unternehmen. Denn je nach intellektueller Ausstattung der Führungspersönlichkeit wirkt sie sich für die einen positiv aus, für die anderen hört der negative Kreislauf nie mehr auf +++

Print ist mit seinem Image ganz unten – leider, aber nicht überraschend. Allerdings wird es dominiert von der Erkenntnis, dass kaum ein Verantwortlicher die Erosion des Marktes hinterfragt. Aber die angestimmten Klagelieder sind selten so harmonisch wenn es darum geht, die verheerenden wirtschaftlichen Auswirkungen mit rhetorischem Zunder zu untermalen, was völlig wirkungslos bleibt. Schlimmer noch – es bleiben wichtige Erkenntnisse über Markt, Kunden und IT aus, was zur Folge hat, dass erneut fatale Fehlentscheidungen getroffen werden und die Zukunft in weite Ferne gerät. Die Branche hat sich einer in der Wirtschaft unvergleichlichen Zerfleischung ausgesetzt, die im täglichen Preisgemetzel ihre Erfüllung findet. Das ist praktizierter Wirtschaftsmasochismus.

Für die Zukunft von Print scheidet das stupide Drucken als primärer Umsatzträger immer öfter aus – zumindest im Akzidenzbereich. Und die PR-Arbeiter der Maschinenbauer machen deutlich, dass die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) die Orte ihres künftigen Wirkens sein werden, nachdem sie im europäische Markt schmerzlich die Grenzen aufgezeigt bekamen. Dass sie dieses Dilemma primär selbst verschuldet haben, sagen sie nicht. Denn was immer noch von den Printmanagern eingefordert werden muss, sind innovative Produkte und Dienstleistungen.

Neues Marktfeld der Maschinenbauer – die BRIC-Staaten

Das einstmals hier beheimatete technische Know-how wandert in Länder der Dritten Welt oder in die prosperierenden BRIC-Staaten ab. Der hohe technische Maschinen-Standard garantiert dort selbst schlechter Qualifizierten eine beachtliche Produktqualität. Dem Maschinenverkauf in diesen Ländern fällt hierzulande auch das handwerkliche Know-how zum Opfer – es ist preisseitig nahezu wertlos geworden. Der Blick in das Auftragsergebnis lässt Printunternehmer daran nicht mehr zweifeln dafür aber zusehends verzweifeln. Man kann nur mit großer Bestürzung feststellen, dass der eingeforderte Lernprozess bei den Maschinenbauern in keiner vertretbaren Form stattgefunden hat. Der dringend notwendige innovative Schub – gerade bei Druckprodukten – findet nicht statt! Und dadurch heraufbschworenes “business as usual” beschädigt jetzt die Branche in seinen Grundfesten, weil Innovation sowohl im Produkt, in den Geschäftsmodellen- und Prozessen ausbleiben. Kunden wenden sich ab, wenn Print mehr und mehr an Attraktivität, gemessen an den Kundenerwartungen, einbüßt.

Hausaufgaben vernachlässigt

Also werden die Maschinenbauer als Teil ihrer Überlebensstrategie gerade deshalb künftig unentfaltete Märkte bedienen, die infrastrukturell und mental noch bei weitem nicht an die Verhältnisse westlicher Industriestaaten heranreichen. Sie werden so lange ihre veralteten Denkweisen in die Märkte penetrieren, bis der Branche der völlige Kollaps bevorsteht. Denn zweifellos wird die digitale Evolution vor den BRIC-Staaten nicht Halt machen. Was geschieht dann? Wovon soll der europäische Drucker jetzt profitieren, dem es an Produktinnovation fehlt und der hier gegen den Verlust seiner Märkte ankämpft? Entweder verstehen Maschinenbauer die hiesigen Märkte nicht mehr, oder sie stehen der Entwicklung ihrer langjährigen Klientel völlig gleichgültig gegenüber, was dem Synonym für Ideenlosigkeit gleichkäme. Ihre vermeintlichen Innovationen stecken sie hingegen nach wie vor dorthin, wo sie marktseitig ziemlich unwichtig für den Anwender geworden sind: in ihre Maschinen. Von der Erfüllung oder Annäherung an die Kundenbedürfnisse ist nichts zu spüren und zum Leidwesen der Drucker ergibt sich daraus eine eher gefährliche Abhängigkeit: mitgefangen, mitgehangen.

Ein Dogma verhindert nachhaltig das Überleben der Branche

Während die BRIC-Staaten die „neuen Märkte“ der Maschinenbauer werden, verwaisen Drucker hierzulande mit ihren Forderungen nach wirtschaftlich sinnvollen Investitionen. Mit der Innovationen am Printprodukt im Stich gelassen, trägt ein solches Marktverhalten die Züge einer gescheiterten Ehe und wer jetzt immer noch an den Lippen der Maschinenbauer hängt, tut besser daran, seinen wirtschaftlich begründeten Ausstieg zu organisieren, um wenigstens die Finanzbasis des Unternehmens zu schonen. Überlebenschancen bestehen dennoch am besten dann, sofern eigene Konzepte für die neue Zukunft des Unternehmens  entwickelt werden, die primär den Charakter der kundengerechten Dienstleistung tragen, also Kundenmehrwert schaffen. Genau das tut Print eben nicht. Print schafft keinen Mehrwert für Kunden. Print ist jederzeit austauschbar. Print hat eine desolate Preisfront. Ein diesbezüglich radikales Umdenken in Print-Unternehmen bietet eine realisitische Chance, wieder auf den Wachstumspfad zu gelangen. Bleibt die Druckindustrie weiter am Dogma des 1000er-Preises hängen, verhindert sie nachhaltig ihr Überleben in den europäischen Märkten.

Wenn Umsatzerlöse keine Gewinne mehr zulassen, muss das Geschäftsmodell schnellstmöglich geändert werden

Die Zukunft hat die Drucker längst überholt, sie brauchen eine neue. Die US-amerikanische Trendforscherin Faith Popcorn unterstreicht den Sachverhalt dazu bildhaft. Sie sagt: “Die Zukunft ist ein ernstes Geschäft. Wenn die Kunden die Zukunft vor Ihnen erreichen, sitzen Sie in der allerhintersten Reihe”. Exakt diesen Sachverhalt kann sich die Druckindustrie selbst attestieren. Sie hat es nicht geschafft, die Zukunft vor ihren Kunden zu erreichen.

Was soll der Drucker verkaufen, wenn Print (Akzidenz)  zum Ladenhüter mit inflationären Preisen verkommt und das Unternehmen der Insolvenz näher ist als einem wachstumsstarken Geschäftsmodell. Die mentale Abkoppelung vom ausschließlichen Drucken ist das Gebot der Stunde, um neue Ideen zum Leben zu erwecken. Bemühungen zu Differenzierung, dem Aufbau neuer Strategien mit Produktivitätsverbesserungen werden wirkungslos verpuffen, so lange den Verantwortlichen nicht klar geworden ist, dass sie sich in ihrem historisch geprägten Umfeld einzementiert haben und mit der anhaftenden Unternehmensstruktur kaum mehr Handlungsfreiraum haben. Die Schicksalsgemeinschaft der Konkurrenten tritt sich täglich auf den Zehen herum und Printbuyer finden jeden Tag neue Opfer, die preisseitig skelettiert werden – Zustände wie in einem Schlachthof.

Erst ein neues Geschäftsmodell wird die eben genannten Attribute – der Logik folgend – in vernetzten Prozessen einbinden können und die erwartete Erfolgs-Wirkung zeigen. Darin steckt überlebensfähiges Investitionspotenzial aber keinesfalls in Standard-Maschinen.
Da vielerorts die Umsatzerlöse zur Gewinnerwirtschaftung nicht mehr ausreichen, ist es allerhöchste Zeit, den Markt mit neuen Geschäftsmodellen zu überraschen, neue Akzente zu setzen, die Kunden neugierig zu machen und sie zum Kauf anregen. Hierbei hat sich ein zentrales Credo herausgebildet: Dienstleistung ist der Carrier, das Printprodukt ist notwendiges Beiwerk. Mit neuen Geschäftsmodellen zeigen die Unternehmen Kompetenz und kundenorientiertes Handeln. Im anderen Fall haftet der Makel an ihnen, die Markt-Evolution gänzlich verschlafen zu haben. Den letzen Rest erledigt die Marktdynamik.

+++ „Die Zukunft ist ein ernstes Geschäft. Wenn die Kunden die Zukunft vor Ihnen erreichen, sitzen Sie in der hintersten Reihe“, sagt die amerikanische Trendforscherin Faith Popcorn.
Exakt das trifft sowohl auf die Heavy-metal- und Digitaldruck-Maschinenbauer wie auf die Printunternehmen selbst ohne Einschränkung zu.

Drucker denken immer noch in Maschinen, Produkten und Mengen. Kunden hingegen präferieren Problemlösungen und positive Gefühle. Eine völlig andere Welt, in der viele Unternehmen nicht mehr mitspielen werden, weil der intellektuelle Wandel nicht rechtzeitig in Gang gesetzt wurde.

Wie geht die Printbranche mit den Veränderungsprozessen um? Zu langsam, zu inhomogen und größtenteils unter der fehlenden Berücksichtigung einer klaren Positionierung und mangelhafter Integration betriebswirtschaftlicher Basisfunktionen. Nicht mehr die Techniker haben das Sagen, weil jetzt kundenfokussierte und marktorientierte Zukunftsdenker in der ersten Reihe Platz nehmen müssen. +++

Die Branche hat keineswegs ein Maschinenproblem sondern ein ausgewachsenes, noch nie dagewesenes Marktproblem oder genauer gesagt ein Kundenproblem. Das zu lösen ist die dringlichste Aufgabe der Verlags- und Printmanager.

Jeder spürt, wie sein Handlungsdruck wächst, denn die deutlichen Signale zurückliegender Jahre wurden nicht ernsthaft gehört. Vor allem nicht von den Druckmaschinenbauern. Die Postpress-Maschinenbauer haben im Gleichklang mitgesungen und sind nun in den gleichen Sog geraten. Evolution und Divergenz – gleichbedeutend mit Erneuerung, Veränderung und Verbesserung – wirken genauso in der Wirtschaft, sie sind nicht auf die Natur beschränkt.
Jetzt dominiert die natürliche Auslese, die weitgehend über Prozessinnovation, Kreativität in Produkt und Dienstleistung jedoch hauptsächlich durch Kundenloyalität gesteuert ist.
Neue Geschäftsmodelle werden dringend benötigt. Wer jetzt nicht zum kreativen Zerstörer wird, an alten Regeln festhält und nicht loslassen kann, für den stehen die Chancen blendend, wirklich in „printer´s hell“ zu landen. Allein bei dem Gedanken wird einem schon heiß. Neues Denken in Prozess- und Produktinnovation muss den Pfad zur Differenzierung gegenüber dem Wettbewerber festigen, denn nur der am besten Angepasste wird die chancenreichen Veränderungen im Markt überstehen.
Ein Festhalten am Alten beschert einen Abschied aus dem aktuellen Umfeld, so viel ist heute gewiss.

COMMENT SERIES, 2. Ausgabe “Roadmap to printers´ hell”

Die zweite Ausgabe unserer COMMENT SERIES setzt sich mit den unterschiedlichen Sichtweisen des Printgeschäftes auseinander, mit Fehlentwicklungen im Marketing und im Investitionsverhalten der Druckereien, wie Social Media das gesamte Geschäfts-Szenario verändert, sowie mit der kritischen Hinterfragung der Positionierung von Web to print und wem das eigentlich einen nachhaltigen wirtschaftlichen Nutzen bringen soll. Unternehmensplanung, Budgetierung und Pricing sind weitere markante Themen in der zweiten Ausgabe der „COMMENT SERIES“.

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