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Artikel-Schlagworte: „Evolution“

+++Die nachhaltige Aufspaltung stabil geglaubter Märkte ist ein untrüglicher Indikator für die unumkehrbaren Veränderungen in der Branche und ihren gewohnten Absatzkanälen. Angebot und Nachfrage haben und werden sich völlig neu anpassen und zwingen Drucker zu massiven Korrekturen.+++

***za – In der Marktarena tobt derweil ein existenzbedrohlicher Preiskampf. Die daraus resultierenden Nöte lassen das Management zu situativen Spitzfindigkeiten greifen. Ökonomie bzw. Betriebswirtschaft sind seit jeher ein behindertes Stiefkind der Druckindustrie, das ist kein Geheimnis – soviel sei vorausgeschickt.

Mit Erlaubnis des Chefredakteurs von 4c,  Martin Schwarz, zitiere ich folgenden Textausschnitt aus seiner Coverstory, die deutlich macht, in welch fatalistischer Haltung sich Print-Unternehmen in den eskalierenden Verdrängungskampf einbringen und dabei jegliches betriebswirtschaftliche Know-how über Bord werfen. Man mag angesichts dieser Fakten nicht ernsthaft glauben, dass es überhaupt in so ausreichendem Maße vorhanden ist, dass es noch zur Absicherung der Wettbewerbsfähigkeit beitragen könnte:

Kalkulieren mit Spielraum

Damit Druckmaschinen nicht still stehen, offensichtliches Preisdumping nicht sichtbar und ein vitales Problem nicht allzu augenscheinlich wird, kollaborieren mancherorts Geschäftsführung und Belegschaft. Die erste und zweite Schicht ziehen Aufträge in die Länge, damit auch noch welche für die dritte Schicht übrig sind. Die money_coins_100_150swGeschäftsführung perfektioniert das System der betriebswirtschaftlichen Unschärfe, indem an der Vorkalkulation eines Auftrags derart herumgedoktert wird, bis ein positives Ergebnis steht, wo eigentlich ein sattes Minus hin gehört. „Die wenigsten machen eine realistische Kalkulation und bleiben dann auch dabei. Statt in Kauf zu nehmen, dass ein Job, den ich für 800 Euro verkauft habe, mir in der Produktion 1.000 Euro kostet, wird einfach an den Herstellungsparametern gedreht. Da wird der Stundensatz reduziert, da werden weltmeisterliche Rüstzeiten angenommen. Das böse Erwachen kommt dann erst mit der Nachkalkulation – sofern es überhaupt eine gibt“, sagt Rita Sommerfeld, Investitionsberaterin beim Verband Druck & Medien in Nordrhein-Westfalen.

Sich die Kostenwahrheit im vorhinein zurecht zu kalkulieren, ein bisschen Bilanz-Chirurgie zu betreiben, aber die Realität einer Produktion dabei völlig zu ignorieren, führt eben auch zu falschen Investitionsentscheidungen.

Wenn auch die hier zitierte und wohl sehr spezifische Auffassung von betrieblicher Ökonomie tägliche Praxis sein mag, aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist sie nicht nachvollziebar. Das beschriebene Vorgehen malträtiert nicht nur die eigene Kommandobrücke der Unternehmen samt Navigation, sie bringt auch tiefe Einschnitte in die Unternehmensführung. Der Hinweis von Frau Sommerfeld auf unzureichend vorbereitet Investitionsentscheidungen ist die Konsequenz aus den Handlungen der Drucker. Ob ihnen bewusst ist, wie sehr sie damit die Preisspirale weiter anheizen?

Mit dem Hinwies auf Charles Darwin wird Peter Berger, Chef der Horner Rollendruckerei, zu seiner Investition in die 16-Seiten-Goss-Rotation zitiert:

„In der Natur ist es auch so, dass der Stärkere überlebt, der Schwächere möglicherweise nicht“

Diesen Druck-Darwinismus gilt es – der strategischen Tragweite wegen – doch erst einmal richtig zu stellen. Mit der wortgetreuen Übersetzung von Charles Darwin klingt Berger‘s Demonstration der Stärke gleichwohl ganz anders, nämlich:

„Wer sich am besten an veränderte Situationen anpassen kann, überlebt.“ Oder anders ausgedrückt: „wer sich nicht anpasst, stirbt aus.“

Konkurrenz in der Natur

Ein reales Beispiel aus der Natur ist der Lebenszyklus des Parasiten Körperlaus. Unsere menschlichen Vorfahren waren in der Frühzeit noch am ganzen Körper behaart. Der dominante Parasit Körperlaus wurde als Spezialist durch Evolution immer besser. Mit dem Rückgang der Körperbehaarung und durch die zunehmende Kleidung entstanden durch Divergenz zwei neue Parasiten – die Kopf- und die Kleiderlaus. Sie waren beide jeweils perfekt für ihren Lebensraum „maßgeschneidert“. Die Körperlaus blieb auf der Strecke und starb aus. Divergenz macht aus dem ehemaligen Körper-Spezialisten den Generalisten „Körperlaus“. Der hatte gegen die neuen Spezialisten Kopf- und Kleiderlaus keine Chance mehr. (Quelle: Michael Brandtner).

Aus dieser Sinnbewertung ergibt sich für das Investitionsverhalten eine völlig andere Bedeutung. Wer sich als Spezialist etablieren kann hat deutliche bessere Überlebenschancen als ein Generalist.

Steigbügel zu Verbesserungen

Fehlende Transparenz muss durch eine ganzheitliche Unternehmensbudgetierung und den Controllingkreislauf ersetzt werden. Stundensätze, etwa aus Verbandsgrundlagen für die Kalkulation einzusetzen, kann nur als eine Annäherung an die eigene Unternehmenswirklichkeit gesehen werden.
Das Unternehmen erkennt erst mit beschäftigungsabhängigen Stundensätzen, welche Leistung verkaufbar ist und wo Produktionsengpässe entstehen. Die Deckungsbeitragskalkulation mit seinen unbestrittenen Vorteilen bringt auch Sicherheit an der Verkaufsfront. Schließlich weiß der Verkäufer dadurch, wo die Schmerz- bzw. der Stillegungsgrenze ist. Davon ist die vorhin zitierte Thematik noch weit entfernt.***

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