ZA Suchbegriffe
Business Excellence Daily

Artikel-Schlagworte: „BRIC“

+++ Printmanager sind aus einem Material geschaffen, das es heute nicht mehr gibt. So hat diese “Rest-Ressource” in jedem Fall eine zweischneidige Wirkung auf das Unternehmen. Denn je nach intellektueller Ausstattung der Führungspersönlichkeit wirkt sie sich für die einen positiv aus, für die anderen hört der negative Kreislauf nie mehr auf +++

Print ist mit seinem Image ganz unten – leider, aber nicht überraschend. Allerdings wird es dominiert von der Erkenntnis, dass kaum ein Verantwortlicher die Erosion des Marktes hinterfragt. Aber die angestimmten Klagelieder sind selten so harmonisch wenn es darum geht, die verheerenden wirtschaftlichen Auswirkungen mit rhetorischem Zunder zu untermalen, was völlig wirkungslos bleibt. Schlimmer noch – es bleiben wichtige Erkenntnisse über Markt, Kunden und IT aus, was zur Folge hat, dass erneut fatale Fehlentscheidungen getroffen werden und die Zukunft in weite Ferne gerät. Die Branche hat sich einer in der Wirtschaft unvergleichlichen Zerfleischung ausgesetzt, die im täglichen Preisgemetzel ihre Erfüllung findet. Das ist praktizierter Wirtschaftsmasochismus.

Für die Zukunft von Print scheidet das stupide Drucken als primärer Umsatzträger immer öfter aus – zumindest im Akzidenzbereich. Und die PR-Arbeiter der Maschinenbauer machen deutlich, dass die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) die Orte ihres künftigen Wirkens sein werden, nachdem sie im europäische Markt schmerzlich die Grenzen aufgezeigt bekamen. Dass sie dieses Dilemma primär selbst verschuldet haben, sagen sie nicht. Denn was immer noch von den Printmanagern eingefordert werden muss, sind innovative Produkte und Dienstleistungen.

Neues Marktfeld der Maschinenbauer – die BRIC-Staaten

Das einstmals hier beheimatete technische Know-how wandert in Länder der Dritten Welt oder in die prosperierenden BRIC-Staaten ab. Der hohe technische Maschinen-Standard garantiert dort selbst schlechter Qualifizierten eine beachtliche Produktqualität. Dem Maschinenverkauf in diesen Ländern fällt hierzulande auch das handwerkliche Know-how zum Opfer – es ist preisseitig nahezu wertlos geworden. Der Blick in das Auftragsergebnis lässt Printunternehmer daran nicht mehr zweifeln dafür aber zusehends verzweifeln. Man kann nur mit großer Bestürzung feststellen, dass der eingeforderte Lernprozess bei den Maschinenbauern in keiner vertretbaren Form stattgefunden hat. Der dringend notwendige innovative Schub – gerade bei Druckprodukten – findet nicht statt! Und dadurch heraufbschworenes “business as usual” beschädigt jetzt die Branche in seinen Grundfesten, weil Innovation sowohl im Produkt, in den Geschäftsmodellen- und Prozessen ausbleiben. Kunden wenden sich ab, wenn Print mehr und mehr an Attraktivität, gemessen an den Kundenerwartungen, einbüßt.

Hausaufgaben vernachlässigt

Also werden die Maschinenbauer als Teil ihrer Überlebensstrategie gerade deshalb künftig unentfaltete Märkte bedienen, die infrastrukturell und mental noch bei weitem nicht an die Verhältnisse westlicher Industriestaaten heranreichen. Sie werden so lange ihre veralteten Denkweisen in die Märkte penetrieren, bis der Branche der völlige Kollaps bevorsteht. Denn zweifellos wird die digitale Evolution vor den BRIC-Staaten nicht Halt machen. Was geschieht dann? Wovon soll der europäische Drucker jetzt profitieren, dem es an Produktinnovation fehlt und der hier gegen den Verlust seiner Märkte ankämpft? Entweder verstehen Maschinenbauer die hiesigen Märkte nicht mehr, oder sie stehen der Entwicklung ihrer langjährigen Klientel völlig gleichgültig gegenüber, was dem Synonym für Ideenlosigkeit gleichkäme. Ihre vermeintlichen Innovationen stecken sie hingegen nach wie vor dorthin, wo sie marktseitig ziemlich unwichtig für den Anwender geworden sind: in ihre Maschinen. Von der Erfüllung oder Annäherung an die Kundenbedürfnisse ist nichts zu spüren und zum Leidwesen der Drucker ergibt sich daraus eine eher gefährliche Abhängigkeit: mitgefangen, mitgehangen.

Ein Dogma verhindert nachhaltig das Überleben der Branche

Während die BRIC-Staaten die „neuen Märkte“ der Maschinenbauer werden, verwaisen Drucker hierzulande mit ihren Forderungen nach wirtschaftlich sinnvollen Investitionen. Mit der Innovationen am Printprodukt im Stich gelassen, trägt ein solches Marktverhalten die Züge einer gescheiterten Ehe und wer jetzt immer noch an den Lippen der Maschinenbauer hängt, tut besser daran, seinen wirtschaftlich begründeten Ausstieg zu organisieren, um wenigstens die Finanzbasis des Unternehmens zu schonen. Überlebenschancen bestehen dennoch am besten dann, sofern eigene Konzepte für die neue Zukunft des Unternehmens  entwickelt werden, die primär den Charakter der kundengerechten Dienstleistung tragen, also Kundenmehrwert schaffen. Genau das tut Print eben nicht. Print schafft keinen Mehrwert für Kunden. Print ist jederzeit austauschbar. Print hat eine desolate Preisfront. Ein diesbezüglich radikales Umdenken in Print-Unternehmen bietet eine realisitische Chance, wieder auf den Wachstumspfad zu gelangen. Bleibt die Druckindustrie weiter am Dogma des 1000er-Preises hängen, verhindert sie nachhaltig ihr Überleben in den europäischen Märkten.

Wenn Umsatzerlöse keine Gewinne mehr zulassen, muss das Geschäftsmodell schnellstmöglich geändert werden

Die Zukunft hat die Drucker längst überholt, sie brauchen eine neue. Die US-amerikanische Trendforscherin Faith Popcorn unterstreicht den Sachverhalt dazu bildhaft. Sie sagt: “Die Zukunft ist ein ernstes Geschäft. Wenn die Kunden die Zukunft vor Ihnen erreichen, sitzen Sie in der allerhintersten Reihe”. Exakt diesen Sachverhalt kann sich die Druckindustrie selbst attestieren. Sie hat es nicht geschafft, die Zukunft vor ihren Kunden zu erreichen.

Was soll der Drucker verkaufen, wenn Print (Akzidenz)  zum Ladenhüter mit inflationären Preisen verkommt und das Unternehmen der Insolvenz näher ist als einem wachstumsstarken Geschäftsmodell. Die mentale Abkoppelung vom ausschließlichen Drucken ist das Gebot der Stunde, um neue Ideen zum Leben zu erwecken. Bemühungen zu Differenzierung, dem Aufbau neuer Strategien mit Produktivitätsverbesserungen werden wirkungslos verpuffen, so lange den Verantwortlichen nicht klar geworden ist, dass sie sich in ihrem historisch geprägten Umfeld einzementiert haben und mit der anhaftenden Unternehmensstruktur kaum mehr Handlungsfreiraum haben. Die Schicksalsgemeinschaft der Konkurrenten tritt sich täglich auf den Zehen herum und Printbuyer finden jeden Tag neue Opfer, die preisseitig skelettiert werden – Zustände wie in einem Schlachthof.

Erst ein neues Geschäftsmodell wird die eben genannten Attribute – der Logik folgend – in vernetzten Prozessen einbinden können und die erwartete Erfolgs-Wirkung zeigen. Darin steckt überlebensfähiges Investitionspotenzial aber keinesfalls in Standard-Maschinen.
Da vielerorts die Umsatzerlöse zur Gewinnerwirtschaftung nicht mehr ausreichen, ist es allerhöchste Zeit, den Markt mit neuen Geschäftsmodellen zu überraschen, neue Akzente zu setzen, die Kunden neugierig zu machen und sie zum Kauf anregen. Hierbei hat sich ein zentrales Credo herausgebildet: Dienstleistung ist der Carrier, das Printprodukt ist notwendiges Beiwerk. Mit neuen Geschäftsmodellen zeigen die Unternehmen Kompetenz und kundenorientiertes Handeln. Im anderen Fall haftet der Makel an ihnen, die Markt-Evolution gänzlich verschlafen zu haben. Den letzen Rest erledigt die Marktdynamik.

ZA Übersicht Beiträge
…Kommentare dazu