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Business Excellence Daily

+++ Die Dramaturgie war so nicht gedacht, dass in zahlreichen Unternehmen so schnell die Lichter ausgehen. Unternehmen werden unwirsch vom Marktplatz verjagt, weil sie marktseitig verkümmert sind. Hier ist auch die Quelle eines tiefen Unfriedens der Führungskader mit sich selbst und den resultierenden Handlungsoptionen, die sie aus ihren prekären Entscheidungsdefiziten nicht mehr herausführen können. Doch woher sollen sie Hilfe bekommen für gangbare Auswege aus dem Dilemma? +++

Preis-inflationäre Rückzugsgefechte entziehen dem Unternehmen die Kraft

Dass sich rasch etwas ändern muss, ist nur eine allzu logische Forderung. Der Eindruck lässt sich dennoch nicht verwischen, dass die geänderten Spielregeln in den Köpfen der Printmacher nicht wirklich angekommen sind. Das radikale Kundenverhalten beschert Fassungs- und Ratlosigkeit, Panik. Als Reaktion auf den täglichen Marktdruck reagieren sie ausschließlich mit preis-inflationären Rückzugsgefechten, wobei die Firmen nicht nur markt- und imageseitig deutlich an Gewicht verlieren, sie verengen auch ihren finanziellen Spielraum. Die gefertigten Produkte weisen eine geringe Marktrelevanz auf. Wer in der so aufgezwungenen Diät zwei Kilo in der Woche abnimmt, kann den Zeitpunkt seiner Skelettierung gut terminieren. Jetzt über Zertifizierungen oder technische Raffinessen zu diskutieren, scheint erschreckend unwirklich.

Visionslos, ahnungslos, kundenlos

In ihrer beinahe tragisch anmutenden Distanz zur Realität der Märkte verspüren Printmacher zwar einen marktseitigen Handlungsdruck, während sie mit verblüffender Ideenlosigkeit und – voll beladen mit dem Schnee von gestern – nach dem Null-Wachstum streben, so absurd das auch klingen mag. Natürlich fehlt es den Unternehmenr an Aufbruchstimmung. Es gibt keine Visionen und kein Zukunftsdenken. Zukunft heisst Überlebenskampf und jede Evolution hat auch ihre Opfer. In vielen Diskussionen geht es grundsätzlich um die Auslastung ihrer Maschinenressourcen. Diese Denkweise ist aus betriebswirtschaftlicher Sicht durchaus verständlich und vordergründig, aber vom Grundsatz her falsch.

Unternehmer richten ihren Blick ausschließlich nach innen auf ihre Maschinen aber keinesfalls auf analysierte Marktbedürfnisse in Form von Kundenmehrwert. Der besteht vom Grundsatz her aus guten Gefühlen für den Kunden, dekoriert mit wertsteigernden Produkten und Dienstleistungen. In vielen Diskussionen ist eines deutlich zu erkennen: der eigentliche Tenor der Veränderung im Unternehmen wird nicht wahrgenommen – der Preis per copy – wie es europäisch heißt.

„Wer sich im ausschließlich im 1000er Preissegment bewegt, hat Existenz-Probleme”. Das ist im Laufe meiner Beraterpraxis zu einem Credo geworden, das objektiv nachweisbar ist und sich selbst täglich neu bestätigt. Darin steckt ein Bündel an markanten strategischen Fehlern, die ursächlich für die Situation eines Großteils der Branche ist.

In der Analyse des Status quo überwiegt eine völlig falsche Kostengläubigkeit, die mit Personal- und Leistungsabbau die Unternehmensstrukturen zerfurcht. Das erstickt jeden innovativen Ansatz zu Wachstumsveränderung. Nicht das Produkt hat Priorität, sondern die konsistente Erbringung von marktrelevanten Leistungen an die Klientel ist der Schlüssel dazu. Aber die Diskussion um Dienstleistungen am Kunden, neue Geschäftsmodelle und Leistungsströme wird erst gar nicht geführt, weil es an Marktverständnis und Klarheit mangelt. Selbst der ökonomische Verstand wurde durch das unbändige Streben nach Füllen der Druckmaschine stranguliert.

Produktivitätssteigerung – Segen oder Killer?

Produktivitätssteigerungen sind dann sinnvoll, wenn das Unternehmen unter Vollauslastung arbeitet und dem Charakter industrieller Fertigung gerecht wird. Vollauslastung aber gibt es nicht mehr, weil die Nachfrage stagniert. Wird der durch Produktivitätssteigerung hervorgerufene Kapazitätszuwachs nicht gefüllt, werden nachweisbar immense Leerkosten erzeugt, die weit über die Volumina an Personalkosten eines Einzelnen hinausgehen. Hier ist Behutsamkeit gefragt, denn die Preisspirale dreht sich weiter und im Handumdrehen werden auch die Preise nach unten korrigiert – vom Kunden. Die Produktivitätsanstrengungen verpuffen wirkungslos, es wurde Geld verbrannt und das Unternehmen steht vor dem gleichen Problem wie vor der Aktion. Es wird preis-leistungsseitig zum Perpetuum Mobile, bis es insolvent ist. Finale Beispiele aus solchem Marktverhalten sehen sie jeden Tag.

Höhere Produktivität bringt eher im Kopf geringere Stückkosten aber auf dem Papier sehr selten. Zu oft fehlt es an betriebswirtschaftlich verlässlichen Daten wie Stundensätze, Deckungsbeiträge, Leistungen und einen optimalen Workflow. Mehr Kapazität erfordert vor allem mehr Overhead.

Personalkosten zugunsten von leistungsfähigeren Maschinen einzusparen, halte ich für äußerst gewagt und ich finde sie in der Situation nicht hilfreich. Reichen die abschreckenden Beispiele der Rollenoffset- und Tiefdrucker immer noch nicht aus, um das Branchen-Dilemma zu verdeutlichen? All die Jahre ihrer Marktpräsenz haben sie nichts anderes unternommen als mit genau diesen Ansichten den Weg zum Abgrund zu ebnen. Er wird noch weitere von ihnen verschlucken.Wirkliche Know-how Träger abzubauen halte ich im Zuge der technischen Ressourcenverschiebung für existenzgefährdend (Gwizdalski). Der produktionstechnische Know-how-Transfer in Länder der Dritten Welt bzw. die BRIC-Staaten ist seitens der Maschinenbauer in vollem Gange. Mit diesen Print-Preisen für Standardprodukte kann kein Europäer mithalten.

Womit will er dann sein Geld verdienen? Nochmal, hier weilt der Blick auf die Internas und nicht auf den Markt.

Es werde Licht

Wie also soll es wieder Licht werden? Reden, diskutieren Sie mit anders Denkenden. Gleichgesinnte goutieren nur die gemeinsamen Probleme und stärken sich schulterklopfend im Konsens, dass ohnehin alles beim alten bleibt und die Krise bald vorbei ist. Die Unsinnigkeit solch suspekter Eigentherapien ist frappierend während dessen die Substanz des Unternehmens zerrinnt.
Diskutieren Sie mit Querdenkern das „Big picture“ und die globalen Interdependenzen. Sprechen sie über Käuferverhalten, Dienstleistung, verwertbaren Kundennutzen, Markt, Spezialisierung und Positionierung. Sprechen sie vor allem über ihre Kreativität und was sie und ihr Team jetzt für die Zukunft zu leisten im Stande wären. Neue Geschäftsmodelle erzeugen neue Ideen. Dennoch fällt Selbstdenken in jedem Fall schwerer als vermutet, denn wer mit beiden Beinen auf dem Boden steht, kommt auch geistig nicht vom Fleck.

Moderation durch Dritte

Die Moderation ihrer Zukunfts-Diskussion legen sie besser in die Hände professioneller Dritter, denn vielfach blockieren emotionale Altlasten die Beziehungsebene untereinander. Manche Mitarbeiter sehen sich zu heftigen Blockaden veranlasst, weil ihr konserviertes Know-how in den Zukunfts-Szenarien plötzlich nicht gekannte Ängste auslöst.

Visionäre Macher

Stellen Sie sich als visionäre Macher auf, die mutig an den richtigen Stellschrauben drehen, der Mitarbeiter inspirieren und mit ihnen erfolgreiche Innovation gestalten. Das größte Hindernis auf dem Weg zu realer Veränderung gilt es zu beseitigen: die mentale Blockade, das Festhalten am Druckprodukt. Die Notwendigkeit loszulassen geht mit tiefen Ängsten einher, wodurch reale Sichtweisen gehörig verblendet werden. Neue Absatzmärkte werden daher nicht wahrgenommen, wenngleich sie reichlich vorhanden sind. „Wir können nichts anderes als drucken“, attestierte mir erst kürzlich der Verkaufsleiter einer in Insolvenz befindlichen Druckerei. Das Resultat dieser Sichtweise ist die Wahl zwischen Pest oder Cholera, gerade im Akzidenzgeschäft.

Der Markt hat sich radikal geändert – und Sie?

Ändern Sie genau so radikal ihren Kurs, wie es der Käufermarkt mit ihnen praktiziert hat. Wenn sie nicht agieren, sollten sie wenigstens reagieren können. Anders werden Sie kaum reüssieren. Die Zeit spielt gegen sie, deshalb ist die Option, den Schalter anzumachen, die einzig sinnvolle. Wer ihn nicht findet, wird vom Markt gezwungen, das Licht für immer auszuschalten.

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